Wir servieren E-Bike Test „Motorsägen zum Mountainbiken“: Husqvarna E-Enduros 2018

Die Mountainbikes wurden uns von unserem Partner www.bikeparadies.at zur Verfügung gestellt. Tipp: Dieses Bikegeschäft wird ab 2019 eine ganze E-Bikeflotte an Hardtails und Fullys im Verleih und zum Testen anbieten.

Locations zum Testen

Für den ersten Tag wählen wir mit einer großen Gruppe flowige und wurzelige Trails in den Nockbergen in Kärnten, wo wir von anderen E-Mountainbikern begleitet wurden, sowie am zweiten Tag in einer kleinen Gruppe steinige Herausforderungen in Moggio Udinese im Friaul.

Unsere Erfahrung

Wir sind regelmäßig seit Jahren mit vielen unterschiedlichen E-MTBs unterwegs, haben einige Erfahrungen selbst gesammelt und natürlich auch Feedback von Kunden bei Touenguidings zu ihren eigenen E-Bikes mitgenommen. Wir haben den Überblick bzw. den Einblick in die Praxisanwendung auf den Bergen und den Trails.

Ausgefeilte Technik der Motoren

Im Vergleich zu unseren Tests aus den Jahren 2016 und 2017 hat sich wieder viel getan. Die Motoren wurden feinfühliger und lassen sich auch besser dosieren. Die maximale Kraftentwicklung ist einfach unglaublich, wobei diese nur sehr selten zum Einsatz kommen muss und auch eine geübte Fahrtechnik auf den Trails aufwärts erfordert.

 

Einsatzzweck von modernen E-Fullys

Ein modernes E-Fully ist auf Asphalt oder gemütlichen Forststraßen völlig unterfordert. Die eigentliche Stärke spielen diese E-Boliden beim Uphill auf steilen, steinigen Forststraßen und Singletrails bergauf aus. Genau auf den Trails wo man vorher Schieben musste, kann man mit den Kraftpakten nun biken. Dies ist jedoch nicht minder anstrengend und erfordert eine sehr gute Linienwahl, Gleichgewicht und rasche Reaktionsfähigkeit, da man mit relativ hoher Geschwindigkeit die Trails hochfährt.

Die limitierenden Faktoren

Es ist völlig irrelevant ob ein E-Fully nun 20kg oder 25kg wiegt. Dies hat keinen Einfluss auf die Reichweite und den Akkuverbrauch. Der Gewichtsunterschied in Bezug auf die Agilität am Trail ist auch nahezu vernachlässigbar bei diesem Gewicht. Der limitierende Faktor ist und bleibt das Fahrergewicht inklusive Gepäck. Es macht einen riesigen Unterschied in der Reichweite ob nun ein 60kg oder ein 100kg Biker die Motorunterstützung in Anspruch nimmt.

Lösungen wenn man einen Trail nicht mehr aufwärts fahren kann

Schieben ist unausweichlich weil es einfach zu steil oder ausgesetzt und gefährlich wird. Alle Motorenhersteller bieten eine sogenannte Schiebehilfe. Dies bedeutet, daß man über einen Knopf eine Unterstützung beim Schieben zuschalten kann. Dies funktioniert in der Praxis aber nur in Verbindung mit einer elektronischen Schaltung wirklich sinnvoll. Während bei Systemen mit manueller Schaltung die Schiebehilfe völlig zum Erliegen kommt im steilen Gelände, muss man bei der Kombination mit elektronischer Schaltung Gewicht auf das Bike ausüben damit der Hinterreifen nicht durchdreht. Man wird förmlich von dem Bike den Berg hoch gezogen sofern man diese nicht triviale Technik beherrscht.
Wenn Schieben auch nicht mehr möglich ist, muss das Bike geschultert und getragen werden. Dies funktioniert mit allen E-Fullys sehr gut, da der Schwerpunkt sehr tief liegt und die Bikes auf den Schultern sehr gut ausbalanciert sind. Schlussendlich bleibt es jedoch ein Kraftakt.

Persönlicher Eindruck von Mountainbiker Florian zum E-MTB-Fully Enduro Husqvarna MC5 27,5“ 2018

Nach nunmehr 2 gesundheitsbedingt bikefreien Jahren war es soweit: wenig Kondition, wenig Kraft, und ein E-Enduro der Marke Husquarna.

Schnell zeigt sich, Uphill-Passagen in steilem Gelände abseits von Forstautobahnen müssen geübt sein. Neben der Linienwahl ist beim E-Enduro mehr aber die Fähigkeit entscheidend, diese Linie auch zu treffen. Irgendwann ist aber dennoch Schluss. Warum? Im steilen, rolligen und verblockten Gelände ist das Bike irgendwann zu drehmomentstark – entweder das Bike stieg oder das Hinterrad dreht durch. Schieben ist in diesem Gelände fahrlässig und auf den Schultern macht sich das Bike nach dem dritten Schritt mit den ca. 24kg deutlich bemerkbar.

Abwärts zeigt sich das Bike träge, die 2-Kolben-Bremse des MT5 lässt in technische Passagen zu wünschen übrig, und der Physik sei Dank schiebt das doppelte Gewicht (im Verleich zu meinem Alutech Taibun) merklichst. Abwärts ist also Schwitzen angesagt. Wenn man aber genug schwitzt, hebt das Bike auch gerne sein Hinterbeinchen und lässt sich so sauber um Spitzkehren manövrieren.

Hat‘s dennoch Spaß gemacht? Ja. Kauf ich mir sowas? Nein. Das Gewicht und die Abwärtsperformance sind mit trialartiger Fortbewegung im technisch schweren Gelände nicht in Einklang zu bringen. Allerdings hat mir das MT5 ermöglicht, meinen untrainierten Körper in 2 Tagen über 2000hm in der Vertikale nach oben zu bewegen – ohne Motorunterstützung wäre dieses Abenteuer wohl nicht möglich gewesen.

Persönlicher Eindruck von Guide Herwig zum E-MTB-Fully Enduro Husqvarna MC7 27,5“ 2018

Optisch ist dieses Bike einfach ein Hingucker mit dem intergierten Akku und der Fakt ein Husqvarna unter dem Hintern zu haben, sowie gleichzeitig das Bild einer Motorsäge im Kopf, macht einfach Spaß.
Die elektronische Schaltung in Verbindung mit der Schiebehilfe ist eine Macht für sich und funktioniert einfach richtig gut. Der Shimano Motor lässt sich super dosieren und mit Konzentration und Gleichgewicht konnte ich auch in wirklich steilen Gelände auf Singletrails losfahren. Die Bikegeometrie hat mir sofort zugesagt und ich konnte steile Stufen, Wurzelpassagen und auch Spitzkehren sicher mit Spaß fahren.

Optisch hat mich der Kabelsalat am Cockpit abgeturned. Ich mag es eher clean und aufgeräumt. Warum ein Lockout an der Federgabel mit Sperrung vom Lenker aus verbaut ist, entzieht sich meinem Verständnis. Auch der geringe Verstellbereich der absenkbaren Sattelstütze hat Verbesserungspotential, aber dieses Manko zieht sich wie ein roter Faden durch fast alle Bikehersteller und verstehe ich nicht.

Alles in allem, hatte ich mit dem Bike riesigen Spaß und bin fasziniert von dem rasanten technischen Fortschritt jedes Jahr. Um diese enorme Technik auch richtig zu nutzen bedarf es einerseits einer gekonnten Fahrtechnik, eine sehr vorausschauende Tourplanung und vor allem einem neuen Bewusstsein was alles möglich ist an Trailspaß.

Eines ist mir noch besonders wichtig: Wenn man das Potential von modernen E-Fullys wirklich nutzt, werden die Touren eigentlich anstrengender aber dafür zeitlich kürzer bei gleichen Höhenmetern wie mit Mountainbikes ohne Motor.

Persönlicher Eindruck von Guide Stefan zum E-MTB-Fully Enduro Cube Stereo Hybrid Race 27,5“ 2017

Generell bin ich sehr angenehm überrascht, wie toll sich die schweren Bikes fahren und auch im Gelände bewegen lassen. Sehr toll finde ich auch wie sich in den letzten Jahren die Akkukapazität entwickelt hat, bei der 1000hm Tour habe ich mit teils sparsamer E-Unterstützung noch gut den halben Akku übrig gehabt und das trotz einigen Trailpassagen  bergauf. Auch die Kraft mit dem der E-Motor mein Treten unterstützte ist im E-MTB- oder Turbomodus enorm. Dies ermöglichte es mir richtig steile Passagen zu biken, welche ohne Unterstützung nicht einmal annähernd möglich wären.

Ich möchte jedoch auch anmerken, dass so ein E-Bike schon eine gewisse fortgeschrittene Fahrtechnik voraussetzt zum Befahren von Singletrails bergauf, um sicher und umweltschonend unterwegs sein zu können.

Fazit: E-Fullys machen richtig Spaß und geben dir die Möglichkeit auch mit wenig Krafteinsatz und Ausdauer richtig tolle Touren zu fahren.

 

Texte: Herwig Kamnig, Florian Maierhofer, Stefan Ramseder
Fotos: Herwig Kamnig, Henry Welisch


Alle Fotos in voller Auflösung.